Bücher, Bücher, Bücher

Ich liebe gute Geschichten. Natürlich sind nicht alle Bücher, die man liest, gut. Nicht jede Geschichte spricht einen an. Manchmal merkt man nach der Hälfte des Buches, dass die gute Geschichte nicht bis zum Ende durchgehalten wird. Manches Buch liest man nur aus, weil man muss. Macht nichts. Darüber kann man schließlich auch schreiben. Das tue ich hier bzw. bei den Booknerds.

 

Wer mit mir mitlesen möchte, klicke hier links.

Auseinandergewachsen

Bregje und Luc sind seit der Schule das Vorzeigepaar und so erscheint es nur logisch, dass sie nach siebeneinhalb Jahren heiraten. Doch kaum zwei Jahre später verlässt Bregje Luc in einer Kurzschlussreaktion Knall auf Fall mit als einzig erwähnenswertem Gepäck ihre zahlreichen Tagebücher, die sie über die Jahre gefüllt hat. Sich selbst völlig entfremdet zieht sie innerhalb Brüssels von Airbnb- zu Airbnbunterkunft und versucht zu ergründen, was schiefgegangen sein könnte. Dabei hatte ihr Körper ihr schon seit längerem signalisiert, dass etwas im Argen lag, nur hatte sie die Symptome ihres unglücklichen Lebens erfolgreich ignoriert. Es bedarf also tieferen Schürfens. Bregje nimmt sich die Zeit. Genau 39 Tage braucht sie, um eine Bilanz ihrer Beziehung zu ziehen.

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Wenn einen plötzlich die Vergangenheit überholt

Man kann sein Unterbewusstsein nicht austricksen, muss Henning feststellen, als sich in einem Familienurlaub von seinen Panikattacken zu erholen hofft. Juli Zeh hat mal wieder ein Buch geschrieben, das man nicht aus der Hand legen kann.

Im Wald da ist der Reu-euber

Wie sieht im Allgemeinen die Geburtsvorbereitung für Erstlingsväter aus? Sie dürfen bei den werdenden Müttern zweimal mitkommen. Der Ich-Erzähler in Finn-Ole Heinrichs neuem Buch braucht ein wenig mehr innere Einkehr, um sich auf seine neue Rolle vorzubereiten und sucht die Kraft dafür im Wald beim allseits gefürchteten Reuber. Eine Geschichte für Groß und (nicht ganz) Klein mit lustigen Illustrationen von Rán Flygenring.

Vom Nachbarschaftsglück in den Achtzigern

Luftig-leicht und doch nicht seicht skizziert Alexa Hennig von Lange in ihrem neuen Roman das Zusammenleben in einer durchschnittlichen deutschen Mittelklasse-Eigenheim-Siedlung in den Achtzigerjahren mit all den unterschwelligen Befindlichkeiten der beteiligten zehn Ich-Erzähler. Gut gelungen, finde ich.

Zwischen Chrysanthemen

Als Arabella, 15, es eines schönen Ferientages nicht mehr zu Hause aushält, weil sie sich langweilt und ihre Mutter nie auch nur ein freundliches Wort für sie übrig hat, setzt sie durch, bei den Arbeiterinnen auf dem Feld mit Friedhofsblumen arbeiten zu dürfen. Als sie klein war, hatten diese sich liebevoll um sie gekümmert und darum erhofft sich Arabella heimlich durch ihr Mithelfen eine Wiederbelebung dieser Nestwärme. Doch sie stößt auf eine Mauer der Ablehnung, die erst bröckelt, als durch einen unglücklichen Zwischenfall immer mehr Dinge ans Licht kommen - und plötzlich beibt in Arabellas Leben kein Stein auf dem anderen.

 

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Einblicke in das völlig Fremde

Die Ich-Erzählerin, die sich nur „Dochter" nennt, hat Blut an den Händen. Wessen Blut ist es und wie kommt es dorthin? Das wüsste auch die Polizei gerne, die Dochter festgenommen hat. Der Leser erfährt das Ausmaß des Grauens nach und nach, ist Dochter doch zum einen geistig minderbemittelt und zum anderen autistisch und kann entsprechend weder die eigenen Handlungen noch die ihrer Umwelt für den gemeinen Leser logisch einordnen.

 

 

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Jenseits des Mittelmeers liegt das Paradies

Christian Torkler zeigt uns in seinem Debütroman, wie anders unser aller Leben aussähe, wenn sich Afrika statt Europa zum Vorzeigekontinent entwickelt hätte.

Gelesen und für gut befunden.

Wie nur Weiterleben?

Der inhaftierte Till Storkema blickt zurück auf sein Leben - ein mehr oder weniger ereignisloses Bauernleben, in dem sich alles logisch gefügt hat, Aufwachsen, Frau kennenlernen, Heiraten, Kinder kriegen - und seine Tat. Dreizehn Jahre zuvor hat er aus einem Affekt heraus ein sechzehnjäriges Nachbarsmädchen, das nachts nach Hause radelte, in die Büsche gezerrt, vergewaltigt und ermordet.

 

 

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Eine kurze Geschichte über das Treibenlassen

Was kann schon schiefgehen, wenn man einfach immer nur den Weg des geringsten Widerstandes wählt? Mit etwas Glück wird man angesehener Lektor und gewinnt das Herz einer liebenswerten Frau, mit der man dan zusammenzieht, obwohl man eigentlich nicht wirklich verliebt ist.

 

Doch genau in dem Moment, in dem der Protagonist aus seinem Leben ausbrechen und es doch selbst gestalten will, schlägt das Schicksal zu.

 

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Warum wir alle netter zueinander sein sollten

An dieser Stelle ein bisschen Reklame in eigener Sache: Meine erste offizielle Übersetzung ist vor Kurzem erschienen, ein wirklich spannender Jugendthriller für Leser ab 14 Jahren, der als Aufhänger das Thema Mobbing hat, aber nicht moralisierend daherkommt. Ich kann ihn nur empfehlen!

 

Alles Wissenswerte und erste Rezensionen finden Sie auf der Webseite des Verlages.

Die Vertreibung aus dem Expatparadies

Elisa führt ein sorgloses Leben als Expat-Frauchen eines erfolgreichen Mannes - bis dieser sie für eine Jüngere verlässt und plötzlich kein gutes Haar mehr an ihr lässt, mit dem Ziel, das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Sam zu bekommen.

 

Als das Schicksal dann auch noch zusätzlich doppelt zuschlägt, weckt Elisas Kampfgeist sie endlich aus ihrer selbstmitleidgetränkten Schockstarre. Ganz auf sich allein gestellt, bietet sie dem Schicksal die Stirn.

 

Ein mittelspannender Thriller, der leider erst spät Fahrt aufnimmt.

In Paralleluniversen ist auch nicht alles besser

Viel, viel Text für einen überschaubaren Plot. Vielleicht hatte ich falsche Erwartungen, mein letzter Schätzing-Roman war schließlich Jahre her, jedenfalls fand ich die Lektüre stellen weise ein zähes Ringen.

Nur ein unauffälliger Ausländer ist ein guter Ausländer

Wees onzichtbar (Sei unsichtbar) erzählt die Geschichte von Metin, der mit fünf Jahren mit seiner Familie nach Amsterdam kommt. Dort tut er sich alles andere als leicht, Freundschaften zu schließen und sich an das Leben in der Fremde zu gewöhnen, nicht zuletzt, weil sein tyrannischer Vater der Familie das Leben zur Hölle macht und alle Integrationsversuche unterbindet.

 

Allen Widrigkeiten zum Trotz gelingt es Metin, seinen Weg zu meistern und der Leser darf ihn auf dieser beschwerlichen Reise begleiten. Ein stiller Coming-of-Age-Roman, der interessante Einblicke in das Leben einer türkischen Einwandererfamilie gewährt.

Unter der Oberfläche gibt es viel zu entdecken

Ausgehend von Pauls Geburtstagsessen mehr oder weniger im Familienkreis - bis auf Justus, einen Kollegen seiner Exfrau, der gleichzeitig Untermieter seines Vaters ist - begleitet der Leser die Anwesenden plus drei weitere Personen durch den darauffolgenden Tag, an dem die Solidartätskundgebung nach dem Anschlag auf die Charlie-Hebdo-Redaktion stattfindet. Aus Erinnerungsfetzen entstehen nach und nach unterschiedlich scharf konturierte Porträts der Figuren. In der Rahmenhandlung erfährt der Leser, dass Justus sich an jenem Abend noch daneben benommen hat und wartet auf eine Auflösung.

 

Wie weet (Wer weiß) ist im Grunde ein ruhiges Buch, doch der Leser liest es gehetzt, weil er erfahren möchte, was Justus’ Fehlverhalten für Konsequenzen haben wird, dabei sollte er sich lieber Zeit nehmen für die Erinnerungen und Beobachtungen der verschiedenen Figuren.

 

Bei Interesse schicke ich Ihnen gerne ein ausführliches Gutachten.

Man vergesse niemals die Überlebenden

Mit dem Tod des ältesten Sohnes Mathies, kommt das Leben in der Familie zum Stillstand. Der Vater radelt immer wieder zur Unfallstelle, die Mutter ist bald nur noch ein Schatten ihrer selbst, die drei Kinder sind sich selbst überlassen und suchen jedes auf seine Weise nach einem Weg, mit dem Verlust und der Trauer umzugehen. Dabei werden die Experimente immer extremer.

 

Zwar gelingt es Marieke Lucas Rijneveld in ihrem Romandebüt erstklassig, die beklemmende Atmosphäre einzufangen, doch erinnerten Setting, Thematik und Umsetzung für meinen Geschmack zu sehr an Franka Treur und Lize Spit. Sprachlich sehr schön, aber nicht sonderlich originell.